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Klagenfurt 1996, Wettlesen für einen der imagefördernsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum,
den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Literatur und ihr Betrieb hatten zwei neue Hoffnungsträger aus Berlin: Jan Peter Bremer (*1965 in Berlin-West) und Johannes Jansen (*1966
in Berlin-Ost). „Der Fürst spricht“ und „Dickicht Anpassung“ wurden mit Top-Preis und
Anerkennungspreis des Landes Kärnten gewürdigt. Ein Votum für Sprachartistik und Sperrigkeit!
Karrieren haben sich daraus im klassischen Sinne nicht ergeben, doch geblieben sind
Gesamtwerke, die ständig fortgeschrieben werden.
Jan Peter Bremers Werk umfasst etwa 500 Druckseiten, nach dem Bachmann-Preis erschienen
“Feuersalamander“ (Berlin Verlag, 2000) und „Still Leben“ (ebd. 2006). Auf kürzestem
Raum werden die Figuren entwickelt, deren Bedrohung und Scheitern nicht die Umwelt ist,
sondern die eigene Kopfmaschine. Paranoia, Paralyse & Konsorten! Die Sprache im Duktus
der Langsamkeit, leicht archaisch. Die Zuspitzung „Still Leben“: Ein Mann mit Frau und
zwei Kindern. Ein Einödhof, Briefe an einen „lieben Freund“, Notate einer zunehmenden
Verstörung! Am Ende bleibt nichts außer der eigenen Einsamkeit. Sie sind weg. Geschult an
Kafka, R. Walser und R. Lenau lässt Bremer die Fantasie walten, um das Leben zu ordnen.
Nicht immer im Sinne der Figuren...
Johannes Jansen hatte es nicht leichter im Betrieb als Sprachzerstörer und
„wurzelloser zeitgenosse“. In hypnotischen Endlosschleifen das Verhältnis von schreibendem
Ich und Welt ergründend, den eigenen Körper als Einsatz für Abgrundforschung fordernd.
Und der Betrieb verschlingt oder ignoriert. Jansen geht in die Offensive! 2007 drei
Publikationen: „atem holen immerhin...” (Karin Kramer Verlag), „Nicht Hin..s.eh.en“
(Satyr Verlag) und der Materialband „ In Keinland ist Schönerland stumm“ (kookbooks).
Jansen liest aus seinem Manuskript „Im Durchgang“, das Nummer 4 gewesen wäre,
aber Suhrkamp, sein Hausverlag, überlegt seit 9 Monaten. Die ultimative Proklamation
eines poetischen Aktes, ein Manifest der Selbstbehauptung als Autor in unsicheren
Zeiten hätte mehr Mut des Verlages verdient! Text: Erik Steffen
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