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Die "Ich-war-dabei-" auch Erinnerungsliteratur genannt, ist eine oft eklig schmeckende
Suppe, deren widerlichste Köche größte Aufmerksamkeit genießen. Ausnahmen bestätigen
die Regel.
Der gelernte Koch Georg Meier, geb. 1947 in Gießen, ist kein Rainer Langhans, sondern ein
Ex-Beatnik, der mehr als 8 Jahre an seinem autobiografischen Romandebüt gefeilt hat.
Das hat Folgen, genauso wie der Titel "Alle waren in Woodstock -außer mir und den Beatles"
(Dittrich Verlag, Berlin 2008). Sprachlich und formal gehört diese Werk schon jetzt zu den
Highlights dieses Bücherjahres.
Dieser Roman ist eine Entdeckung, weil er die Protestkultur der 60er-und
70er- Jahre um einen neuen Typus bereichert, den Hippie, der alles nimmt und doch
fast alles verpasst. Außer der Musik, den Absturzläden quer über Europa oder dem Landweg
nach Indien! Elegant drängelt sich dieses Buch in eine geschlossene Reihe von Autoren wie
Fauser ("Rohstoff"), Bommi Baumann ("Wie alles anfing") oder Hitzelberger
("Schritt für Schritt ins Paradies"). Lieber rauchen als zur Demo gehen, für die Nachwelt
hat der krebskranke Held Michel 1987 keine Botschaften, RAF und Politgruppen sind ihm fremder
als die nächste Droge. Im Ersatzfall Alkohol.
Wie alles anfing: "Der Ritterkeller wurde seit einigen Wochen von einer Geschäftsführerin
bewirtschaftet, einer rotgesichtigen Endvierzigerin mit den Ausmaßen eines Eichensarges, die
ihren fatalen Hang zum Steinhäger nicht verbergen konnte, was nach 24 Uhr öfter zu peinlichen
Ausfallerscheinungen führte. Sie präsentierte Rechnungen mit grotesken Endsummen, verwechselte
Bestellungen oder vergaß, nach dem Füllen des Glases den Bierhahn wieder zu schließen."
Danach die Flucht in die Bewegung: der Ortlosen. Die im Aufbruch alles riskierten.
"Kein Marsch durch die Institutionen" sondern eine Suche nach Sex, Drugs & Rock `n' Roll,
die einen Kick versprechen, der anders ist als der letzte Rausch. Vielleicht besser,
vielleicht weiter weg. Berlin spielt in dieser internationalen Odyssee eine kleine Rolle.
Und das ist auch nach vollziehbar! Die Beatles haben wenig Spuren hinterlassen, bessere
Drogen gab es überall.
Der Autor, ein literarischer Nobody, lebte zwischen 1966-1973 als Gammler oder Beatnik in
Knästen, Kaschemmen und anderen Erlebniswelten. Danach erfolgreicher Gastronom in Hamburg.
Sein Rückblick auf eine vergangene Welt ist eine grandiose Freakshow der Vergangenheit,
vom Star Club bis zu Willy Brandt. Unterlegt mit einer Musikbox, die jeder kennt außer den
Nachgeborenen. Aber für die gibt es die Beatles. Und Woodstock. Als Konserve.
Text: Erik Steffen
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