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Im Frühjahr 2003 wurde der Berliner Wedding Schauplatz eines Literatur-Experiments,
der Gründung der ersten Lesebühne in einem alten Westberliner Bezirk. In der Öffentlichkeit
als Problembezirk abqualifiziert, wurden "Die Brauseboys" Nils Heinrich, Robert Rescue,
Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning (Hinark Husen kam später dazu) zu Ethnologen
in diesem fremden Kosmos, dem sie sich im Sinne der teilnehmenden Beobachtung ohne Scheu und
mit großem Humor näherten. Sie rappen über Fische, berichten über Madenautomaten, beichten
ihre Besuche beim Proktologen, dichten über Döner, telefonieren mit Gott, singen über
Peter Lustig, lamentieren über die Fahrgäste in der Bahn, diskutieren mit Auftragskillern
oder beobachten übergewichtige Eichhörnchen. Der Erfolg war überwältigend.
Selbst die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lobte "Die Brauseboys" als eine
"Art Volksausgabe der Harald-Schmidt-Show". Die Lesebühne in der Liane Art ist zu einer
festen Institution im Wedding und in der großen Lese-bühnenszene Berlins geworden, die als
Gäste eine Vielzahl anderer Autoren anzieht. Ihre Anthologie "Provinz Berlin"
und die Doppel-CD "Wir sind nur Kurzgeschichtenvorleser" (beide Satyr Verlag) wurden
zu Publikumserfolgen. In den letzten Jahren haben sich "Die Brausboys" mit mehrstündigen
Leseshows im Goldenen Hahn, Galerien & auf der Langen Buchnacht auch in Kreuzberg einen
Namen gemacht.
Die Publikationen der "Brauseboys" erscheinen im jungen Kreuzberger Satyr Verlag.
Die Spannbreite des Verlages reicht von "Leichtes" z.B. Lesebühnenautoren (u.a. Daniela
Böhle und Uli Hannemann) über Anthologien ("Raus aus der Stadt" mit Kirsten Fuchs, Andreas
Gläser, Tanja Dückers, Bora Cosic u. a.) bis zu "Schweres" wie Helmut Kuhn und Johannes Jansen.
Ein spannendes Profil auf einem hart umkämpften Markt! Text: Erik Steffen
Links:
:: Website Brauseboys
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